Von zwei Zahnärztinnen, die Lehrer wurden

Heidelberg. "Es wird teuer. Und Sie müssen es selbst bezahlen." Zwei Sätze, die Dr. Verena Kelter und Dr. Anna Bieth schon immer irgendwie unangenehm waren. "Es macht keine Freude, den Patienten ständig erklären zu müssen, was die Krankenkasse alles nicht übernimmt und welche Extrakosten auf sie zukommen", berichtet Kelter. Das war einer der vielen Gründe, weshalb die beiden Zahnärztinnen irgendwann genug hatten - und sich umorientierten. Heute sind Kelter und Bieth Lehrerinnen an der Willy-Hellpach-Schule - und zwar für die angehenden zahnmedizinischen Fachangestellten.


Rund 235 Schüler werden derzeit an der Hellpach-Schule im Rahmen dieser Ausbildung unterrichtet. Und für sie ist neben Kelter und Bieth noch ein weiterer Zahnarzt-Kollege zuständig. Nur: Der geht im Sommer nächsten Jahres in den Ruhestand. Deshalb wird jetzt dringend Nachwuchs gesucht. Und das ist gar nicht so einfach. "Viele Zahnärzte steuern auf die Selbstständigkeit zu und übernehmen etwa die Praxen der Eltern", weiß auch Schulleiter Andreas Wittemann. Zudem müsse den künftigen Lehrern auch die Pädagogik liegen. "Deshalb kommt der Job nur für eine kleine Gruppe infrage", sagt Wittemann.


Auch Bieth und Kelter haben sich die Entscheidung für den Schritt in den Lehrerberuf nicht leicht gemacht. "In meinem Bekanntenkreis sah man das mit Skepsis", berichtet die 38-jährige Anna Bieth. Bevor sie 2015 an der Willy-Hellpach-Schule anfing, arbeitete sie als Angestellte in diversen Zahnarztpraxen, zuletzt hatte sie einen Job in Mannheim. Kelter war vor ihrem Einstieg als Lehrerin im Jahr 2014 an der Heidelberger Mund-, Zahn- und Kieferklinik angestellt. "Das Forschen fehlt mir heute manchmal", sagt sie.


Und dennoch: Letztlich überwogen die Vorteile, die dafür sprachen, an eine Schule zu gehen. Als selbstständiger Zahnarzt ist die Konkurrenz groß: Allein in Heidelberg gibt es laut der Bezirkszahnärztekammer Karlsruhe 128 niedergelassene Zahnärzte in der Stadt. "Außerdem ist es ein großes finanzielles Wagnis. Man muss für die Praxen viele teure technische Geräte anschaffen. Deshalb gibt es heute kaum noch Einzelkämpfer", erklärt Bieth. Und selbst, wenn man einen Partner und passende Räumlichkeiten gefunden habe, sei man eben nicht nur Zahnarzt, sondern vor allem auch Buchhalter. "Der bürokratische Aufwand hat in den letzten Jahren extrem zugenommen", erklärt Bieth - vor allem, was die komplizierten Abrechnungen angeht.


Sorgen, die die beiden Zahnärztinnen heute nicht mehr haben. Im Gegenteil: Sie sind auf Lebenszeit verbeamtet. Die Zeiten, in denen Verena Kelter an der Uniklinik mit immer wieder befristeten Verträgen arbeitete, sind also endgültig vorbei. Und: Ob die Zahnärztinnen in Voll- oder Teilzeit arbeiten möchten, bleibt ihnen selbst überlassen. "Ich habe zwei Kinder und wüsste nicht, wie ich das mit einer eigenen Praxis vereinbaren könnte", sagt Bieth. Ein Problem, das sie an der Willy-Hellpach-Schule nicht hat. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in wenigen Berufen so gut möglich wie in dem des Lehrers", weiß auch Schulleiter Wittemann.


Und so setzten Kelter und Bieth auf das erste Staatsexamen das zweite - und zwar in Form des Referendariats. Das dauert in der Regel 18 Monate - es beginnt im Januar eines jeden Jahres und endet zu den Sommerferien im darauffolgenden Jahr. Es sei zwar anstrengend gewesen, meinen Kelter und Bieth. Doch das ständige Lernen waren sie ja aus dem Zahnmedizin-Studium gewohnt. Und schließlich werde man nach dem Referendariat vor allem auch durch eines entschädigt: die Schüler. "Man ist die Frau Doktor", lacht Kelter. Die Schüler brächten ihnen viel Respekt entgegen. "Autoritätsprobleme haben wir nicht", sagt sie. Und da die Schüler nur ein bis zwei Mal in der Woche im Unterricht seien, "sind sie auch immer positiv gestimmt". Bereut haben die beiden Zahnärztinnen ihren Schritt jedenfalls nicht. Im Gegenteil: "Wir haben jetzt eben zwei Berufe", sagt Kelter.


Info: Bewerbungsschluss für Zahnärzte, die auch Lehrer an der Willy-Hellpach-Schule werden wollen, ist am 15. Juni. Das Referendariat beginnt dann im Januar 2019. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.willy-hellpach-schule.de, oder per E-Mail:

(Quelle: RNZ, 30. Mai 2018. Autorin: Anica Edinger)

Dr. Anna Bieth und Dr. Verena Kelter unterrichten an der Willy-Hellpach-Schule. Foto: RNZ/Hentschel

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