Unser Namensgeber: Willy Hellpach

Seit November 1973 heißt die bis dahin Handelslehranstalt 1 genannte Bildungsstätte Willy-Hellpach-Schule.

Aber wie kam es dazu ?

 Willy Hellpach Namensgeber klein

1953 ist Professor Hellpach als Referent an die Handelslehranstalt eingeladen worden. Am Ende seines Vortrags fragte ihn der  damalige Direktor Erdmann, ob er bereit wäre, der Handelslehranstalt, welcher ein Schulhausneubau in Aussicht gestellt worden war, seinen Namen zur Verfügung zu stellen. Hellpach fühlte sich geehrt und willigte ein. Seither trägt die Schule seinen Namen.

Wer war eigentlich Willy Hellpach? Er wurde am 26.02.1877 in Oels (Schlesien) geboren, promovierte 1899 zum Dr.phil. in Leipzig, 1903 zum Dr.med. in Heidelberg und begann eine akademische Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule Karlsruhe, wo er 1911 zum a. o. Professor für Psychologie auf medizinisch - naturwissenschaftlicher Grundlage ernannt wurde. 1920 wurde er planmäßiger Professor für allgemeine und angewandte Völker - und Sozialpsychologie.

Hellpach war jedoch nicht nur Akademiker, er war gleichzeitig auch als Publizist, Schriftsteller und Redakteur tätig. Im Jahre 1911 erschien sein erfolgreichstes Werk "Geopsyche", worin er als einer der Mitbegründer der ökologischen Psychologie die Abhängigkeit des Menschen von Klima, Wetter, Boden und Landschaft analysierte.

Neben zahlreichen Publikationen über verschiedene Gebiete der Psychologie schrieb Hellpach unter einem Pseudonym auch politische Texte. Nach dem Ersten Weltkrieg trat er in die sozialliberale DDP (Deutsche Demokratische Partei) ein. Nun verlagerte sich der Schwerpunkt seiner Aktivitäten vom akademischen zum politischen Bereich hin. 1922 wurde er für die DDP, die damals an der Regierung beteiligt war, badischer Kultusminister. Drei Jahre hatte er nun Gelegenheit, seine Pläne auf dem Gebiet der Pädagogik, die auf Erkenntnissen aus seinen arbeits - und werkspsychologischen Studien beruhten, in die Tat "Schule" umzusetzen. Hellpach hatte erkannt, daß unterhalb der höheren Schule, im Folgebereich der damaligen Volksschule, ein Bildungsnotstand herrschte. Deshalb führte er neben der Fortbildungschule herkömmlichen Stils, die seiner Meinung nach den Forderungen der Berufs- und Arbeitswelt nicht mehr angemessen war, die Berufsschule, eine berufsbegleitende Teilzeitschule und die Berufsfachschule als Vollzeitschule ein. Und Willy Hellpach ist es auch zu verdanken, daß an diesen Schulen nicht nur berufsspezifische Fächer, sondern auch die allgemeinbildenden Fächer Deutsch, Religion und Staatskunde gelehrt werden. Die Schule sollte seiner Meinung nach nicht nur Wissen erweitern, sie sollte zugleich "dem jungen Menschen helfen, eine tragende Sinnbasis für sein Leben zu finden."

1923/24 war Hellpach badischer Staatspräsident, und er war es auch, der 1925 die Trauerrede am Grabe Friedrich Eberts hielt. Im selben Jahr kandidierte Hellpach für das Amt des Reichspräsidenten. Von 1928 bis 1930 war er Reichstagsabgeordneter der DDP. 1930 endete seine politische Karriere. Hellpach schrieb später, daß "giftige und heimtückische Auseinandersetzungen auf politischem Feld keine geistige Argumentation mehr zulassen." Als 1930 die Demokraten nur noch 14 Sitze im Reichstag erhielten, trat Hellpach aus der DDP aus und verabschiedete sich von der Politik, da, so Hellpach wörtlich, "...das deutsche Volk die Chance der demokratischen Selbsterziehung nicht mehr wahrnehmen kann ."

Bereits 1926 wurde Hellpach ord. Honorarprofessor an der philosophischen Fakultät der Universität in Heidelberg. Von jetzt an lebte Hellpach bis zu seinem Tode 1955 in dieser Stadt. In den 20-er Jahren wohnte er in der Landfriedstraße 14 in der Altstadt. Heute ist die Wohnung die Praxis des Herrn Dr. Jung, der uns freundlicherweise die Gelegenheit gab, uns das bürgerlich - stilvolle Haus, in dem Hellpach als ehemaliger Minister wohnte, zu besichtigen. Durch unseren Besuch bestärkt, denkt Herr Dr. Jung daran, eine Gedenktafel an das Wohnhaus anbringen zu lassen. Die letzten 20 Jahre seines Lebens wohnte Hellpach am Mönchhofplatz 1 in Heidelberg.

Das Schaffen des Psychologen, Pädagogen, Politikers, des Redakteurs und Publizisten Willy Hellpach ist sehr umfangreich und umfaßt viele Problemkreise. Mit "Sozialpsychologie", "Völkerpsychologie", "Mensch und Volk der Großstadt", "Der deutsche Charakter" sind nur einige seiner Werke genannt. Auf jeden Fall kann man Hellpach als eine herausragende Persönlichkeit bezeichnen, die auf zahlreichen Gebieten einiges geleistet und neue Denkansätze geschaffen hat. Und um das zu würdigen, ehrte der Heidelberger Gemeinderat am 25. 10. 1973 Willy Hellpach mit der Benennung der Handelslehranstalt 1 nach seinem Namen.

Weitere Informationen zur Biografie von Willy Hellpach finden Sie hier.

   

Text: Christine Glaser 
Nachbearbeitung: Torsten Reinfrank 
Quelle: A. Toma
Quelle Bild: Generallandesarchiv Karlsruhe 231 Nr. 2937 (12)

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